Unsere Stadtlaufreporter waren in Dresden fleißig. Heute berichtet uns Sören, wie sein Stadtlauf in Dresden abgelaufen ist:

Mission: Schallmauer durchbrechen

Zugegeben, scheint dieser doch recht prägnant gewählte Titel im ersten Moment wenig mit Laufen zu tun zu haben und dennoch offenbart er genau dieses eine Gefühl, respektive Vision, die in so manch einem ambitionierten Hobbyläufer irgendwann einmal im Kopf herumgeistert: Der Traum die 10 Kilometer unter 40 Minuten zu rennen – eine Magische Grenze?!

Viele kleine persönlichen Geschichten…Stadtlauf_Dresden_10km

01:37 Uhr, in der Nacht zum Sonntag, es ist warm und mein Körper scheint keine Ruhe finden zu können. Ich wälze mich hin und her. In Gedanken laufe ich mehrmals die Strecke ab und rede mir in einer Art „Dauerschleife“ immer und immer wieder eine Zahl ein: 39!…39!!… 39!!. Irgendwann gegen halb 7 wache ich auf. Ich fühle mich gut, setze einen Kaffee an und erwärme noch einmal den bereits am Vortag gekochten Reis. Dazu gibt es 2 Bananen mit ein wenig Honig untergemischt. Mittlerweile ist diese Mahlzeit zur Routine vor den Läufen geworden. Ebenso wie es bei den Kenianern deren Ugali ist, möchte ich es auch nicht mehr missen. Es gibt mir Kraft und ist ein Puzzleteil für mein Ziel… 39! .. 39! Die Zugfahrt von Freiberg nach Dresden geht schnell vorbei. Ich entdeckte 1-2 andere Personen, die allem Anschein nach wohl auch am Lauf teilnehmen werden. Enge Laufshorts bzw. ein Kopfstirnband mit der Aufschrift „running“ wird man zu dieser Zeit an einem Sonntag wohl sonst kaum finden.

Gemütlich schlendere ich vom Hauptbahnhof Dresden in Richtung Altmarkt. Ich liebe diesen Moment, wenn man 1-2 Stunden vor dem Lauf anderen Läufern begegnet, freundlich grüßend und mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Wie eine Art Mekka, zu dem tausende sportbegeisterte Menschen pilgern, jeder mit seiner ganz individuellen Geschichte an diesem Tag.

Der Countdown läuft – Die Atmosphäre ist groß!

Angekommen am Anmeldestand, hole ich meine Startunterlagen ab und ziehe mich fix irgendwo um. Eigentlich bin ich der Typ, der Startnummer & Co bereits am Vortag abholt. Doch an diesem Tag ist einiges anders. Zum ersten Mal nehme ich an einem Lauf teil, bei dem ich alleine vor Ort bin. Ohne die Anfeuerung und mentale Unterstützung der Familie. An dieser Stelle möchte ich meiner Mum einen großen Dank aussprechen, da sie bei jedem Lauf im wahrsten Sinne des Wortes „am Start“ ist und mir Kraft gibt. Nun ja, nach einer kurzen Plauderei mit einer hübschen Frau an der Taschenabgabe laufe ich ein paar Runden auf dem Altmarkt und genieße die Stimmung, z.B. die Bassklänge und Jubelrufe für die Bambini-Läufe der Kids. Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich tiefenentspannt bin, aber eine gewisse Zuversichtlichkeit überkommt mich. Routinemäßig laufe ich mich 10 Minuten ein und absolviere ein paar kurze ABC-Übungen. „So langsam wirst du dich mal Richtung Start begeben“ denke ich mir. Nun ist es 10:25. Ich stehe im Starterfeld. Immer ein zwiegespaltener Moment. Einerseits interessant und lustig, wie jeder Einzelne sich entweder noch einmal konzentriert oder einen kurzen Witz zum Nachbarn raushaut. Andererseits sind die Sekunden vor dem Startschuss schon etwas nervenaufreibend. Man ist etwas kribbelig, will endlich losrennen und wie wohl jeder andere habe einfach nur Bock zu laufen.

…“ los komm jetzt raus aus der Komfortzone!“,

Start! Wie eine Herde Büffel geht es wie immer ziemlich rasant los. Ich versuche mich rechts nah entlang der Absperrung an einigen vorbei zu schleusen und mein Tempo zu finden. Der erste Kilometer ist noch nicht ganz erreicht und das Feld vor mir ist bereits auf wenige zusammengeschrumpft. Noch vor einem Jahr, lag meine 10km-Zielzeit bei ca. 44 Minuten, wodurch ich dadurch größtenteils während des gesamten Laufes im Hauptfeld gelaufen bin. Seitdem ich Anfang Januar nach einen kontinuierlichen Trainingsplan, auf meiner Pulsfrequenz basierend trainiere, hat sich mein Leistungsniveau bereits deutlich verbessert. Nun finde ich mich bei den Volksläufen immer öfters ganz vorne an, was ich sehr aufregend finde, da man zugleich Strecke und Zuschauer intensiver wahrnimmt. Gut, Letzteres ist etwas geflunkert, denn wie so oft befinde ich mich nach wenigen Kilometern in einer Art „persönlichem Krieg“, was wohl dem so oft zitierten „Tunnelmodus“ ziemlich nahe kommen muss. „Nur nicht langsamer werden!!“… „Okay, Kilometer 3, los komm jetzt raus aus der Komfortzone“…„39!! … „39!!“. Viele kurze Gedankenschnipsel spielen in meinem Kopf Achterbahn.

Die Strecke ist gut. Das Profil gefällt mir, besonders der lange gerade Teil entlang der Elbe kommt mir gelegen. Anders dagegen die Auffahrten zu den Brückenüberquerungen. Hier muss ich beißen! Ich versuche bewusst den Kniehub nicht zu vernachlässigen, um keine Sekunden zu verlieren. Trotzdem werde ich von 1-2 Läufern überholt. „Verdammt, zieh nach!!“, denke ich mir und muss doch abreißen lassen. Es ist verdammt warm, das Wasser am 1. Helferstand schütte ich mir über den Kopf und merke, wie das kühle Wasser sofort warm an meinem Hals herunterläuft. So etwas nennt man dann wohl „körpereigenen Grill“. Ungefähr bei Kilometer 6 laufe ich durch einen kühlen Wassersprenger, den glaube ich die Feuerwehr bereitgestellt hat. Die 3-4 Meter extra abseits der Ideallinie der Strecke nehme ich dankend in kauf. Abkühlung und weiter!

„Voller Glücksgefühle, durchströmt von Endorphinen“…

Die Pulsuhr zeigt 186 Schläge die Minute an. Ich renne am Limit! Ohne zu übertreiben, ist dieser Lauf der mental und körperlich bislang härteste. Ich glaube mal irgendwann vom Triathlet Jan Frodeno in einem Interview gelesen zu haben, dass es genaue diese Momente sind, in denen sich entscheidet, ob der innerliche Schweinehund doch wieder in der Komfortzone blieben darf oder man sich entgegen des stärker werdenden Erschöpfungsgefühls weiter pusht! Kilometer 7, die Zuschauer rufen aufmunternde Worte zu und die Trommler heizen noch einmal zum Endspurt an. In diesem Moment werde ich von 2 Läufern „gesandwicht“ und im Gleichschritt ziehen sie an mir vorbei. Auch wenn es bei solchen Volksläufen natürlich vor allem um den Spaß und die Freude am Laufen geht, aber gibt es eine größere Demütigung für einen Läufer? Diesmal ziehe ich noch einmal an und hänge mich an die beiden.

Stadtlauf_Dresden_10km.Der letzte Kilometer! Entgegen der sonstigen Euphorie, fällt er mir dieses Mal alles andere als leicht. Den Daten der Pulsuhr zur Folge, schaffe ich es noch einmal eine 3:33 auf den letzten 1000 Metern hinzulegen. Ich merke wie mein Laufstil und Körperspannung so langsam endgültig „flöten gehen“ und ich angefeuert von der Zuschauermenge der letzten Gerade entgegensprinte. Und dann kommt der Moment, in dem zum ersten Mal aus der Entfernung die Digitalanzeige der Zieluhr sehe. 39:08, 39:09, 39:10…39:11!!! Voller Glücksgefühle, durchströmt von Endorphinen, balle ich die Faust und laufe über die Ziellinie. Ich habe es geschafft. Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich die 10 Kilometer unter 40 Minuten gelaufen!!! Im Zielbereich steuere ich direkt auf einen wohl aus Afrika stammenden Läufer zu, der über fast die gesamte Strecke vor mir gerannt war und so eine Art pacermaker für mich war. „Well, good race!! You were a really good pacer for me, thanks man!“ Merkwürdigerweise taucht er nicht in der Ergebnisliste vor mir auf, sodass ich mich an dieser Stelle leider nicht noch einmal bedanken kann. Habe ich ihn mir nur eingebildet?? Spaß, wahrscheinlich hatte er sich einfach falsch angemeldet oder ist spontan ohne Chip mitgerannt. Wer weiß…

Fazit: Mission „Schallmauer durchbrechen“ ist geglückt und voller positiver Erinnerungen und neuer Motivation habe ich diesen Tag erlebt. Vielen Dank an Sportcheck und allen Partner, die diesen Lauf ermöglicht haben. Ich freue mich auf ein Wiedersehen in Berlin im August, dann wird es die Halbmarathon-Distanz. #keeponrunning!!

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